Das industrielle Potenzial erschließen: Wie ABB Automation die Überbrückung der IT/OT-Lücke erweitert hat

Die Industrie bewegt sich von starren, proprietären Systemen hin zu flexiblen, modularen Ökosystemen. Stefan Basenach, Senior-Vizepräsident für Automatisierungstechnik bei ABB, stellte kürzlich „Automation Extended“ vor. Dieses Programm definiert neu, wie Unternehmen Modernisierung angehen, ohne die Betriebssicherheit zu gefährden. Während traditionelle Verteilte Leitsysteme (DCS) vor allem Zuverlässigkeit in den Vordergrund stellten, verlangen moderne Märkte weit mehr. Heute müssen Betreiber Betriebszeit mit Nachhaltigkeit, Cybersicherheit und schneller digitaler Innovation in Einklang bringen.
Vom traditionellen DCS zu modularen Ökosystemen
Jahrzehntelang war das DCS das unerschütterliche Rückgrat der Prozessindustrie. Diese Systeme sorgten dafür, dass Chemikalien verarbeitet und Energie ununterbrochen flossen. Doch mit dem Aufkommen von Industrie 4.0 zeigte sich ein wesentlicher Mangel dieser Altsysteme: fehlende Flexibilität. Konventionelle Hardware hatte oft Schwierigkeiten, neue IIoT- und Datenanalysetools zu integrieren. Daher standen viele Anlagen vor der schwierigen Wahl zwischen veralteter Infrastruktur und riskanten, teuren „Abreißen-und-Ersetzen“-Migrationen.
Umsetzung des Prinzips der Trennung der Belange
Der Kern von ABBs Automation Extended ist ein Konzept namens „Trennung der Belange“. Diese Architektur teilt die Automatisierungslandschaft in zwei unterschiedliche, aber verbundene Bereiche. Zuerst übernimmt die Steuerungsumgebung die Echtzeit- und deterministischen Aufgaben, bei denen Sicherheit und Verfügbarkeit oberste Priorität haben. Zweitens dient die Digitale Umgebung als Spielwiese für Innovationen. Hier können Ingenieure KI, vorausschauende Wartung und Randverarbeitung einsetzen. Da diese Ebenen getrennt bleiben, gefährden Softwareaktualisierungen in der digitalen Zone niemals die Kernsteuerungssysteme.
Schutz von Altsystemen durch schrittweise Modernisierung
Eines der größten Hindernisse bei Werksautomatisierungs modernisierungen sind die hohen Kosten für den Austausch der Hardware. ABB begegnet dem, indem bestehende Plattformen wie System 800xA® und Symphony® Plus verbessert werden. Statt einer vollständigen Erneuerung erlaubt Automation Extended eine schrittweise digitale Einführung. So können selbst jahrzehntealte Anlagen moderne, KI-gestützte Leistungsanalysen nutzen. Dieser Ansatz maximiert die Kapitalrendite (ROI) und minimiert das Risiko menschlicher Fehler während der Umstellungen.
Stärkung der nächsten Generation digitaler Ingenieure
Die Industriebelegschaft durchläuft einen großen demografischen Wandel, da erfahrene Bediener in den Ruhestand gehen. Um die Wissenslücke zu schließen, müssen neue Systeme intuitiv und gemeinschaftlich sein. Automation Extended bietet fortschrittliche Visualisierungs- und Entscheidungsunterstützungswerkzeuge, die bei jüngeren, digital versierten Ingenieuren Anklang finden. Diese Werkzeuge bewahren die bewährte Logik der Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) und DCS-Ebenen, machen Daten jedoch zugänglicher. So wird menschliches Fachwissen durch Technik ergänzt, nicht ersetzt.
Autorensicht: Ein pragmatischer Weg zu autonomen Abläufen
Meiner Einschätzung nach spiegelt ABBs Strategie eine gereifte Sicht auf die Industrieautomatisierung wider. Wir entfernen uns vom Hype der „vollständigen digitalen Umgestaltung“ hin zu pragmatischen, hybriden Modellen. Mit der Einführung der NAMUR Open Architecture (NOA) macht ABB den Anlagenboden im Grunde „zukunftssicher“. Diese Modularität ist nicht nur eine technische Eigenschaft, sondern eine geschäftliche Notwendigkeit. Unternehmen, die ihre Software nicht von der Hardware entkoppeln, werden sich wahrscheinlich innerhalb des nächsten Jahrzehnts in teuren, veralteten Zyklen gefangen sehen.
Erreichung von Nachhaltigkeitszielen durch Datenkontinuität
Nachhaltigkeit ist aufgrund verschärfter globaler Vorschriften keine Option mehr. Um diese Ziele zu erreichen, ist eine enge Verzahnung von Prozesssteuerung und elektrischen Systemen erforderlich. Automation Extended ermöglicht eine durchgehende Zustandsüberwachung und Echtzeit-Energieeinsichten im großen Maßstab. Diese Fähigkeiten helfen den Verantwortlichen, Verschwendung zu erkennen und den Ressourcenverbrauch über ganze Anlagenflotten hinweg zu optimieren. Indem Daten verbunden und konsistent gehalten werden, können Industrien endlich ihre Produktionsziele mit ihren Netto-Null-Ambitionen in Einklang bringen.
