Der Wendepunkt für die industrielle Automatisierung: Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und Indiens wachsende Rolle

Auf dem Weltwirtschaftsforum 2026 in Davos verlagerte sich der Dialog zur industriellen Automatisierung vom theoretischen Potenzial zur praktischen Umsetzung. Schneider Electric-Geschäftsführerin für industrielle Automatisierung, Gwenaelle Avice Huet, betonte, dass die Branche einen entscheidenden Wendepunkt erreicht hat. Unternehmen gehen nun über Pilotprojekte hinaus, um industrielle Automatisierung als zentralen Treiber für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität zu integrieren.
Die Kluft zwischen Effizienz und Nachhaltigkeit überbrücken
Historisch betrachteten Führungskräfte in der Industrie Produktivität und Nachhaltigkeit als konkurrierende Ziele. Moderne Steuerungssysteme zeigen jedoch heute, dass diese Ziele untrennbar miteinander verbunden sind. Künstliche Intelligenz wirkt dabei als verbindendes Element, das Fabriken ermöglicht, den Energieverbrauch zu optimieren und gleichzeitig die Produktionsleistung zu steigern. Daher ist die Digitalisierung längst kein Luxus mehr, sondern eine grundlegende Notwendigkeit, um weltweit relevant zu bleiben.
Vom KI-Hype zu messbarem Kapitalertrag
Während Künstliche Intelligenz die Unternehmensgespräche dominiert, richtet sich der Fokus nun auf konkrete Anwendungsfälle. Werksleiter verlangen klare Kapitalrenditen (ROI), bevor sie sich zu großflächigen Einsätzen verpflichten. Schneider Electric zeigt diesen Trend anhand seiner „Leuchtturm“-Fabriken in China und Frankreich. Diese Standorte beweisen, dass Fabrikautomatisierung mit KI-Antrieb gleichzeitig Emissionen und Betriebskosten senken und die Fähigkeiten der Belegschaft verbessern kann.
Indien als globales Zentrum für Automatisierungsinnovation
Indien hat sich als wichtiger Pfeiler in der weltweiten Automatisierungslandschaft etabliert. Schneider Electric beschäftigt derzeit über 28.000 Fachkräfte im Land und verfolgt eine „lokal-für-lokal“-Strategie. Dieses Modell umfasst die Entwicklung hochmoderner Lösungen innerhalb Indiens für den heimischen Markt und den weltweiten Export. Somit wandelt sich Indien vom Technologieverbraucher zum führenden Innovator in Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) und verteilten Leitsystemen (DCS) anwendungen.
Digitalisierung der Wasserinfrastruktur für städtische Widerstandskraft
Einer der wichtigsten Bereiche für Automatisierung in Indien ist die Wasser- und Abwasserwirtschaft. Die Modernisierung veralteter Infrastruktur in Städten wie Delhi erfordert ausgeklügelte Überwachung und Echtzeit-Datenanalyse. Durch den Einsatz digitaler Zwillinge und automatisierter Sensoren können Versorgungsbetriebe Leckagen verringern und den Energieverbrauch optimieren. So wird Wassersicherheit durch den gezielten Einsatz von industrieller Automatisierung zu einem erreichbaren Ziel.
Entkarbonisierung der Schwerindustrie mit grünem Stahl und Wasserstoff
Die „schwer zu reduzierenden“ Branchen, wie die Stahlproduktion, erleben eine technologische Revolution. Schneider Electric unterstützt aktiv Indiens Vorstoß für grünen Stahl durch die Integration von Automatisierung in den Wasserstoffeinsatz. Da die Wasserstoffherstellung präzise Steuerung und hohe Effizienz erfordert, sind fortschrittliche Steuerungssysteme unverzichtbar. Diese Technologien ermöglichen es Herstellern, ihren CO₂-Fußabdruck zu verringern, ohne die industrielle Leistung einzuschränken.
Die Lücke bei Elektrifizierung und Fachkräften überwinden
Trotz verfügbarer Technik besteht eine erhebliche Lücke bei der Elektrifizierung industrieller Heizungen. Derzeit sind nur 5 % der industriellen Heizungen elektrifiziert, obwohl die Technik bis zu 60 % zulässt. Diese Diskrepanz zeigt, dass die Hauptfrage nicht das „Was“, sondern das „Wie“ ist. Branchenführer müssen die Qualifizierung und Ausbildung der Belegschaft priorisieren, um sicherzustellen, dass skalierbare Lösungen effektiv auf dem Werkstattboden umgesetzt werden.
